Durch den Balkan nach Europa? Deutschland und Frankreich in den Jugoslawienkriegen. Maull, H. W. & Stahl, B. Politische Vierteljahresschrift, 43(1):82–111, March, 2002.
doi  abstract   bibtex   
Beim Ausbrauch der Feindseligkeiten 1991 in Slowenien und Kroatien waren die Differenzen zwischen der deutschen und französischen Außenpolitik für jedermann offensichtlich. Doch im Verlaufe der Kriege im ebemaligen Jugoslawien näherten sich die Positionen mehr und mehr an, und in der Kosovo-Krise waren kaum noch Unterschiede zu erkennen. Allerdings schien es den beiden Staaten nicht primär um die Konfliktlösung zu gehen, sondern vor allem darum, zu verhindern, dass die gewaltsamen Konflikte auf dem Balkan den europäischen Integrationsprozess und die deutsch-französischen Beziehungen beschädigen. Im ersten Teil des Artikel werden die Außenpolitiken Frankreichs und Deutschlands in drei Phasen der Jugoslawienkriege kursorisch beschrieben: Erstens in Bezug auf die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens, zweitens im Bosnien-Krieg und drittens in der Kosovokrise 1998/99. Anschließend werden die beiden Außenpolitiken mit Hilfe von zwei heuristischen Kriterien (Verhalten gegenüber Institutionen und Konfliktwahrnehmung) vergleichend analysiert. Die aufgedeckten, bemerkenswerten Differenzen zwischen den beiden Staaten führen im nächsten Teil zu einer Hypothesengenerierung über mögliche theoretische Erklärungsansätze: Für Frankreich erscheint uns vor allem der Identitätsansatz gut geeignet, um zu verstehen, warum Frankreich sich in der Außenpolitik überwiegend vom eigenen Selbstanspruch leiten ließ. Im Gegensatz dazu bietet sich zur Erklärung des deutschen Verhaltens eher die Rollentheorie an, berücksichtigt sie doch explizit die für Deutschland so wichtigen Fremderwartungen. Der Artikel schließt mit einem Ausblick auf die europäische Integration im Allgemeinen und die deutsch-französischen Beziehungen im Besonderen.
@article{maull_durch_2002,
	title = {Durch den {Balkan} nach {Europa}? {Deutschland} und {Frankreich} in den {Jugoslawienkriegen}},
	volume = {43},
	issn = {0032-3470, 1862-2860},
	shorttitle = {Durch den {Balkan} nach {Europa}?},
	doi = {10.1007/s11615-002-0005-9},
	abstract = {Beim Ausbrauch der Feindseligkeiten 1991 in Slowenien und Kroatien waren die Differenzen zwischen der deutschen und französischen Außenpolitik für jedermann offensichtlich. Doch im Verlaufe der Kriege im ebemaligen Jugoslawien näherten sich die Positionen mehr und mehr an, und in der Kosovo-Krise waren kaum noch Unterschiede zu erkennen. Allerdings schien es den beiden Staaten nicht primär um die Konfliktlösung zu gehen, sondern vor allem darum, zu verhindern, dass die gewaltsamen Konflikte auf dem Balkan den europäischen Integrationsprozess und die deutsch-französischen Beziehungen beschädigen. Im ersten Teil des Artikel werden die Außenpolitiken Frankreichs und Deutschlands in drei Phasen der Jugoslawienkriege kursorisch beschrieben: Erstens in Bezug auf die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens, zweitens im Bosnien-Krieg und drittens in der Kosovokrise 1998/99. Anschließend werden die beiden Außenpolitiken mit Hilfe von zwei heuristischen Kriterien (Verhalten gegenüber Institutionen und Konfliktwahrnehmung) vergleichend analysiert. Die aufgedeckten, bemerkenswerten Differenzen zwischen den beiden Staaten führen im nächsten Teil zu einer Hypothesengenerierung über mögliche theoretische Erklärungsansätze: Für Frankreich erscheint uns vor allem der Identitätsansatz gut geeignet, um zu verstehen, warum Frankreich sich in der Außenpolitik überwiegend vom eigenen Selbstanspruch leiten ließ. Im Gegensatz dazu bietet sich zur Erklärung des deutschen Verhaltens eher die Rollentheorie an, berücksichtigt sie doch explizit die für Deutschland so wichtigen Fremderwartungen. Der Artikel schließt mit einem Ausblick auf die europäische Integration im Allgemeinen und die deutsch-französischen Beziehungen im Besonderen.},
	language = {de},
	number = {1},
	journal = {Politische Vierteljahresschrift},
	author = {Maull, Hanns W. and Stahl, Bernhard},
	month = mar,
	year = {2002},
	keywords = {Int. Akteur: Deutschland, Int. Akteur: Frankreich, Theoriebezug: Diskursgebundene Identitätstheorie, Theoriebezug: Vergleichende Außenpolitikforschung},
	pages = {82--111},
}

Downloads: 0